Was ist Realität?

7:00 Uhr. Ich wache auf. In meinem eigenen Zimmer. In einem bequemen Bett. Ich laufe zu meinem Kleiderschrank und stelle mich der Herausforderung, unter den über 20 T-Shirts auszusuchen, welches ich denn heute anziehen möchte. Dann stelle ich mich unter die heiße Dusche, bevor ich in die Küche gehe um mir mein Frühstück zu machen: Müsli mit frischem Obst, Körnern und dazu ein Glas Multivitaminsaft. Das ist mein Alltag. So sieht mein Leben hier in Deutschland aus. Es ist vollkommen normal für mich. Genauso war es schon immer. Daran ist nichts Besonderes. Für mich.

Aber dass sich Millionen von Menschen das Leben, das ich führe nicht einmal vorstellen und wenn dann überhaupt nur davon träumen können, kommt mir oft gar nicht in den Sinn. Beziehungsweise verdränge ich es. Gekonnt. Denn Armut habe ich in meinem Leben eigentlich ja schon öfter gesehen. Extreme Armut. Und trotzdem “vergesse” ich immer wieder viel zu schnell, wie sehr sich das Leben dieser Menschen von meinem unterscheidet.

Sie wachen auf und fragen sich, ob sie heute überhaupt genug Geld haben, um etwas zu Frühstücken oder ob sie nicht einfach bis zum Mittagessen warten sollen. Auszusuchen, was sie anziehen sollen erweist sich für sie weniger herausfordernd, denn die Auswahl fällt deutlich geringer aus als bei mir. Fließendes Wasser gibt es nicht und warmes schon dreimal nicht. Das Wasser wird aus dem Brunnen geschöpft und geduscht wird dann mit kleinen Schöpfeimern.

Sie waschen ihre Kleidung mühevoll mit ihren Händen. Ich werfe meine Klamotten einfach nur in die Waschmaschine. Sie können teilweise nicht in die Schule gehen, weil sie das Schulgeld nicht bezahlen können. Ich durfte 13 Jahre kostenlose Schulbildung genießen. Sie können nicht davon träumen, was sie werden wollen, wenn sie groß sind, denn sie müssen froh sein, wenn sie überhaupt irgendwie Geld verdienen und sich über Wasser halten können. Mir hingegen stehen alle Möglichkeiten offen.

Millionen von Menschen leben weit von dem entfernt, was für uns völlig normal und selbstverständlich ist. Sie leben in einer anderen Realität. Oder vielleicht sollte ich eher sagen: Wir leben in einer anderen Realität. Eine Realität die nur für einen kleinen Prozentteil dieser Welt existiert.

Nur weil andere nicht haben, was wir haben müssen wir Luxus nicht vollkommen verdammen und ablehnen. Es bringt nichts, uns schlecht zu fühlen, weil wir auf der anderen Seite der Welt geboren wurden. Aber: Sehen wir denn überhaupt, was wir alles haben oder ist es für uns total selbstverständlich? Können wir wirklich dankbar dafür sein- jeden Tag? Es ist traurig, wenn wir denken wir hätten zu wenig und sich unser Leben darauf ausrichtet, immer noch mehr zu bekommen anstatt mal unsere Augen aufzumachen für die eigentliche REALITÄT der meisten Menschen in dieser Welt.

Und wenn wir anfangen, diese Realität zu sehen, lernen wir DANKBARKEIT. Denn FAMILIE. FREUNDE. ESSEN. FRISCHES TRINKWASSER. EIN ZUHAUSE. HOFFNUNG. PERSPEKTIVE. BILDUNG. GELIEBT ZU WERDEN sind nur ein paar Dinge, die NICHT selbstverständlich sind. Es sind unbegreifliche Geschenke, die ich lernen will, wertzuschätzen- jeden Tag.

 

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Momente der Großzügigkeit

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Wie mir ein 7 und ein 11-jähriges Mädchen beibrachten, was Großzügigkeit eigentlich bedeutet.

Philippinen. Das kleinste und ebenso jüngste unserer Mädels im Kinderheim war 7 Jahre alt und die Großzügigkeit in Person. Sie ist direkt auf der Straße aufgewachsen und sie hatte nichts, absolut nichts. Jetzt, wo sie im Kinderheim ist, teilt sie immer ihren Snack- Kekse, Chips und sogar Schokolade. Auch wenn man das nicht annehmen will, lässt sie sich nicht davon abbringen. Ja, sie besteht geradezu darauf, teilen zu dürfen. Eines Abends hat sie mir sogar ein Geschenk gemacht: Sie hat ein bisschen Waschpulver, ein paar Perlen und andere Kleinigkeiten in ein Blockpapier gewickelt und mir geschenkt. Sie hat eigentlich nichts und hat trotzdem etwas gegeben.

Deutschland. Am Samstag erzähle ich einem 11-jährigen Flüchtlingsmädchen von den Philippinen und zeige ihr ein paar Bilder. Ich erkläre ihr, dass dort Kinder auf der Straße leben und dass es dort viele Babies gibt, die keine Mama haben, die sich um sie kümmert, die nicht genug zu essen haben und die oft auch nichts zum Anziehen haben. Daraufhin kramt sie kurzerhand die Babyklamotten ihrer Puppe heraus und gibt sie mir: ein Kleidchen, Hosen, Leggins, T-shirts- alles was sie finden kann. Ich solle es den Babies auf den Philippinen mitbringen, wenn ich das nächste Mal dort hingehe.

Die Gesten dieser beiden Mädchen haben mich sehr berührt. Das ist echte Großzügigkeit: zu geben, auch wenn man eigentlich nichts hat.

WAS KANNST DU HEUTE GEBEN?

Wenn diese beiden Mädels etwas geben konnten, dann hast auch DU  viel zu geben: Zeit, Geld, Materielles, Talente, Fähigkeiten, ein offenes Ohr,…Aber wenn du gibst, dann gib fröhlich und von Herzen- ganz so wie diese beide Mädchen.

 

LET HOPE RISE

In meiner Zeit hier bin ich immer und immer wieder mit hoffnungslosen Situationen konfrontiert. Wie geht man damit um? Ich höre so so viele krasse Geschichten, die von Hoffnungslosigkeit und Schmerz geprägt sind. Und immer ist es das gleiche: Ich habe keine Ahnung was ich darauf antworten soll, wenn Menschen mir ihre Geschichten erzählen, wenn ich von ihren Problemen und ihrem Leid höre. Alles was ich tun kann, ist zuzuhören. Und in all dem zu wissen, dass JESUS unsere HOFFNUNG ist und all dem Leid das ich höre eines Tages ein Ende setzen wird. In den Herzen unserer Kids hier ist diese Hoffnung schon zu sehen, sie haben Hoffnung für ein besseres Leben, haben Träume für ihre Zukunft.

BANTAYAN ISLAND

Auch die Insel Bantayan ist für mich ein Beispiel von Hoffnung. Bantayan wurde 2013 von dem Taifun Yolanda stark getroffen. Schon als ich 2014 mit dem German-Team für eine Woche dort war, hab ich mich auf dieser Insel extrem wohlgefühlt.

Anfang Januar war es endlich soweit: Wir durften zusammen als Interns nach Bantayan gehen und hatten dort für 3 Tage einen „Arbeitseinsatz“. Wir haben eine Kirche von innen und von außen gestrichen und hatten an zwei Abenden ein Programm für die Kinder und Jugendlichen dort- Geschichten, Spiele und zum Abschluss haben wir alle zusammen Hotcakes (so ähnlich wie Pancakes) gebacken. Ich habe die Zeit auf Bantayan sehr genossen und es war  besonders schön für mich, dort einige Freunde wieder zu sehen, die ich schon von den letzten Jahren kannte.

Es ist so schön zu sehen, wie die Menschen auf dieser Insel wieder Hoffnung haben, dass sie nach dem Taifun nicht einfach aufgegeben haben, sondern dass sie wieder aufgestanden sind und weitergemacht haben, nach vorne geschaut haben, ihre Häuser und ihr Leben wieder aufgebaut haben. Ja, Gott hat diesen Menschen Hoffnung gegeben.

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OUTREACH CHRISTMAS PARTY

Da im Dezember am geplanten Termin ein Taifun angesagt war, wurde die Christmas Party für die Feedingkids auf Mitte Januar verschoben. Schon morgens haben wir und viele andere der Mitarbeiter und der Kids das Essen gekocht und in Boxen verpackt, Geschenke vorbereitet und das Gelände dekoriert bevor dann nachmittags die Feedingkinder von den verschiedenen Plätzen kamen. Es gab zuerst ein Programm und eine Predigt für die Kids, dann hatten wir Zeit um mit den Kids zu beten und zu reden, was echt schön war, weil das bei den regulären Feedings meistens zu kurz kommt. Danach wurde dann das Essen und die Geschenke verteilt. Es war so schön zu sehen, wie die Kids diesen Nachmittag einfach völlig genossen haben. Einfach einen Tag mal der Armut entfliehen. Ja, in ihren Herzen soll Hoffnung aufsteigen. Hoffnung auf eine bessere Zukunft, weg von der Armut. Hoffnung, die sich in Jesus gründet.

FUNDAYS

Die Fundays waren 2 Tage voller Spaß, Spiele und Sport für die Jungs und Mädels aus den Kinderheimen. Wir waren alle in unterschiedliche Teams eingeteilt und hatten dann verschiedene Gruppenpräsentationen, Teamspiele und ein Basektball-und Volleyballtunier. Während dieser Tage haben wir auch 2 Nächte bei den Mädels übernachtet. Es war echt cool mal wirklich mit den Kids mit zu leben, mit ihnen zu essen, bei ihnen Mittagsschlaf zu machen und viel Zeit mit ihnen zu verbringen.

FAMILY OUTINGS

Mit den kleinen Mädels waren wir einen Nachmittag in einer Mall, die auf dem Dach einen Wasserspielplatz für Kids hat. Das haben die Mädels sehr genossen. Danach haben wir sie dann noch zu einem Eis im Jollibee eingeladen.

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Die großen Mädels haben wir aufs „Mountain Top“ eingeladen. Das ist eine Art Aussichtsplattform auf dem Berg von dem aus man eine hammer Sicht auf die Stadt hat. Wir haben dort Abend gegessen, viele viele Fotos gemacht und einfach die Zeit mit den Mädels genossen.

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GIRLSTIME. Jetzt versuche ich noch so viel Zeit wie möglich mit den Mädels im Heim zu verbringen. Ich genieße es einfach bei ihnen zu sein, mit ihnen zu reden, zu spielen, sie ins Bett zu bringen, mit ihnen zu beten.

Hier eine Begebenheit aus dem Heim: Ich schaue mit einem der kleinen Mädels die Kinderbibel an. Sie blättert die Seiten durch. Da sie noch nicht lesen kann schaut sie einfach die Bilder an. Aber für sie ist die Bibel nicht nur irgendein Buch. Für sie ist die Bibel erstaunlich lebendig und real. Sie kennt schon einige Bibelgeschichten. Als wir zu der Geschichte kommen, in der Jesus die Händler und Steuereintreiber aus dem Tempel vertreibt, schlägt sie auf die Tauben und Händler im Bild und sagt: „Böse, böse, böse.“ Es ist so unfassbar schön zu sehen, was für einen kindlichen und echten Glauben sie hat. Ich denke genau das hat Jesus gemeint, als er gesagt hat, dass wir glauben sollen wie Kinder. Ja, für diese Kinder gibt es Hoffnung. Hoffnung, dass sie ein neues Leben mit Jesus anfangen. Hoffnung für eine Zukunft voller Träume.

LET HOPE RISE– hier in diesem unfassbar schönen Land, in den Herzen dieser Kinder aber auch in meinem eigenen Herzen. Hoffnung für alles was Gott für mich bereithält, auch wenn ich jetzt noch gar nicht weiß was die Zukunft bringt…

Meine Zeit hier ist jetzt schon fast vorbei, was ich noch nicht so wirklich realisieren kann. Am 1. März komme ich wieder nach Deutschland zurück. Ich freue mich viele von euch bald wieder zu sehen, wobei mir der Abschied hier natürlich auch sehr sehr schwer fällt. Ihr hört wieder von mir, wenn ich dann in Deutschland bin.

News aus Cebu

Was im letzten Monat so ging

Im Dezember jagte eine Christmas Party die nächste. Angefangen hat es schon in der ersten Dezemberwoche mit einer Weihnachtsfeier im Jugendgefängnis. Dort haben wir ein Programm mit Liedern, einem Drama, einer Botschaft und Spielen gemacht und am Ende gab es natürlich auch noch Essen, Geschenke und wir hatten Zeit, um noch ein bisschen mit den Jugendlichen zu reden.

Zusammen als Intern-Girls haben wir die Mädels, die in den letzten 3 Monaten Geburtstag hatten zum Jollibee eingeladen (das ist sowas Ähnliches wie McDonald’s). Die Mädels lieben es, wenn sie mal rauskommen. Nach unserem Essen im Jollibee gab’s noch für jeden ein Eis auf dem Fuente (Riesenkreisverkehr in der Stadt).

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An einem Samstag war die sogenannte “Christmas Convention”. Das ist eine Weihnachtsfeier, an der verschiedene Hilfsorganisationen, die auch mit Straßenkindern arbeiten, teilgenommen haben. Alle Organisationen bringen also ihre Kids mit und dann gibt es verschiedene Tanz-und Liedvorführungen, Spiele und gemeinsames Essen.

Die Staff Christmas Party, also die Weihnachtsfeier mit allen Mitarbeitern hier, stand unter dem Motto “Celebrating the Christ of all times”. Dazu waren wir schon im Voraus in Gruppen eingeteilt und mussten passende Anspiele vorbereiten, die letztendlich echt lustig waren. Außerdem gab es natürlich gutes Essen und es wurde gewichtelt, wodurch wenigstens ein bisschen Weihnachtsstimmung bei mir aufkam.

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Auch gab es eine Christmas Party mit allen Kids aus den Heimen und mit den Kids die hier zur Schule gehen. Wir haben zusammen Abendgegessen, Spiele gespielt und es gab einen Lobpreisabend bei dem dann am Ende alle zusammen abgedanct haben. Die Stimmung war ausgelassen und es war megaschön zu sehen, wie viel Spaß die Kids und Jugendlichen hatten.

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Über Weihnachten waren wir Interns dann alle zusammen im Urlaub auf Bohol. Wir haben die freien Tage zusammen sehr genossen, waren stundenlang im Meer baden und durften viele schöne Dinge im Land sehen, wie z.B. die Chocolate Hills, die kleinsten Affen der Welt (Tarsier), Reisterassen und Wasserfälle.

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Silvester haben wir mit den Kids gefeiert, die für die Ferien aus verschiedenen Gründen nicht nach Hause zu ihren Familien gehen konnten/durften. Nach dem Essen haben wir zusammen Marshmellows gegrillt, was die Kids echt geliebt haben. Danach haben wir Spiele gespielt und alle zusammen einen Film angeschaut. Um 23 Uhr gab es nochmal Essen für alle bevor wir dann aufs Rooftop (Dachterrasse) gegangen sind um das Feuerwerk anzuschauen. Es war so süß zu sehen, wie sich vor allem die Kleinen an dem Feuerwerk gefreut haben und den ganzen Abend einfach voll genossen haben.

Was mich sonst noch so beschäftigt

Obwohl ich das alles hier ja schon ein Stück weit kannte, ist es krass für mich zu sehen, wie normal es für mich geworden ist hier zu sein. Ich habe die Kids schon sehr ins Herz geschlossen. Auch wenn es immer noch manchmal anstrengend ist oder ich nicht immer so viel Motivation habe, sind diese Kids einfach Teil meines Lebens geworden und nicht mehr so einfach wegzudenken. Das Wertvollste ist es einfach Beziehungen zu ihnen aufzubauen, Zeit zu haben, um mit ihnen zu spielen und zu reden, ihnen die Liebe und Aufmerksamkeit zu geben, die sie auf der Straße nie bekommen haben.

In diesem Monat war ich auch öfters mal in Downtown unterwegs. Downtown ist die Innenstadt Cebus, dort, wo die Straßen immer voll und laut sind, dort, wo es die günstigsten Klamotten gibt, dort wo ganze Familien direkt auf der Straße leben, Babies im Dreck spielen und Straßenkinder dich anbetteln. Da wird einem dann immer bewusst, wie viele Kinder es noch gibt, denen geholfen werden muss. Ja, es gibt noch so viel mehr zu tun. Jedes einzelne dieser Kinder hat das Recht auf ein Leben in Würde. Und dafür lohnt es sich zu kämpfen, dafür lohnt es sich, Verletzungen einzustecken, dafür lohnt es sich, mich immer wieder selbst zu pushen, wenn ich mal keine Motivation und Liebe habe, dafür lohnt es sich.

Jetzt ist das Jahr 2017 schon um und ich habe so viel Grund DANKBAR zu sein für das was Gott in diesem Jahr, aber auch vor allem in der Zeit, die ich bis jetzt hier verbracht habe, schon getan hat. Ich durfte schon viel lernen hier und unzählige (kleine) Wunder erleben, die einem erst so richtig auffallen, wenn man mal zurückschaut. Trotz manch harter Zeiten ist es unfassbar, wie viel Gutes ich schon erlebt habe.

Ich hoffe ihr könnt auch zurückblicken und die vielen kleinen Wunder entdecken, die Gott im letzten Jahr getan hat. Ich wünsche euch ein gutes und gesegnetes neues Jahr! Erwartet Großes, denn Gott hält so viel für euch bereit!

GEBETSANLIEGEN

-dass ich die Zeit gut nutzen kann, die ich hier noch habe

-dass Gott mich noch weiter verändert und an mir arbeitet

-dass  ich Gottes Stimme höre, was er danach mit  mir vorhat

 

Eure Ermutigung und Gebete bedeuten mir sehr viel! Danke dafür!

Liebe Grüße

Dorina

News aus Cebu

Der November ist schon fast wieder vorbei und somit ist es höchste Zeit euch daran teilhaben zu lassen, was ich hier eigentlich mache und was ich so erlebe. Zunächst einmal zu meinem Alltag. Ich arbeite 4 Tage in der Woche 8 Stunden im Mädelsheim und darf einen Tag in der Woche mit aufs Feeding. 2 Tage in der Woche habe ich frei, an denen es viel in der Stadt zu sehen und zu erleben gibt.

ALLTAG

Es ist 4:40 morgens und mein Wecker klingelt. Aufstehen, mich anziehen, Zähne putzen und schnell noch eine Scheibe Toastbrot reinschieben und dann ab geht’s ins Girlshome zur Morning Duty: Zuerst helfe ich das Frühstück vorzubereiten, dann wecke ich die Mädels auf. Es gibt eine Morgenandacht, danach Frühstück und schließlich geht es ab in die Schule.

Wenn ich Afternoon Duty habe, fange ich um 13 Uhr an mit arbeiten. In den ersten paar Stunden ist dann nicht so viel los, da normalerweise alle Kids in der Schule sind. Wenn die Kids heimkommen, spiele ich mit ihnen, helfe ihnen bei den Hausaufgaben oder beim Zimmeraufräumen und verbringe einfach ZEIT mit ihnen.

Die Kids sind in 4 Familien aufgeteilt, Family 1 und Family 2 sind die Jungs, Family 3 und Family 4 sind die Mädels. Wir sind meistens in Family 3 bei den kleinen Mädels eingeteilt, da hier oft Hilfe gebraucht wird. Einige der kleinen Mädels sind erst seit Juli hier im Heim und haben sich noch nicht ganz eingelebt, was öfters auch sehr herausfordernd ist. Bei diesen Kids merkt man noch, dass sie wirklich von der Straße kommen und man bekommt auch nochmal ein ganz anderes Bild davon, was es bedeutet ein Straßenkind zu sein.

Ihre Geschichten zu hören, ihre Wunden zu sehen, die sich in ihrem Verhalten widerspiegeln. All das ist nicht so einfach. Verletzte Kinder verletzen andere und ich muss mein Herz immer wieder von Gott ausfüllen lassen, damit ich diese Kids trotz allem lieben kann.

Aber ich bin überzeugt: WUNDEN ÜBER WUNDEN FOLGEN WUNDER ÜBER WUNDER, WEIL GOTT AUS ZERBROCHENEN HERZEN GESCHICHTE SCHREIBT.

Wenn man den Song hört, den eines der Mädchen mit der Gitarre selbst geschrieben hat. Wenn man die bewegenden Gedichte hört, die ein anderes Mädchen schreibt. Wenn man sieht wie ein ehemaliges Straßenkind selbständig in der Bibel liest, nicht weil sie muss, sondern einfach weil sie es selbst will… dann weiß man, dass es das alles wert ist. Auch wenn es manchmal hart ist. Auch wenn man manchmal keine Motivation hat. Auch wenn es manchmal unendlich weh tut.

Inzwischen habe ich mich relativ gut in meine Aufgaben eingefunden und auch Beziehung zu den Mädels aufgebaut, was echt cool ist.

Wir haben auch schon einige Aktionen mit den Kids gestartet, zum Beispiel Mangofloat und Munchkins (philippinischer Nachtisch) mit ihnen gemacht, hatten eine Beauty session und ein Fotoshooting. Ein Highlight war als wir Intern-Mädels (FSJler) alle bei den kleinen Mädels übernachtet haben.

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FEEDING

Mittwochs ist mein Feeding-Tag und da freue ich mich immer sehr drauf, denn ich liebe es rauzugehen zu den Kids auf der Straße und ihnen einfach Liebe weiterzugeben. Zuerst helfe ich beim Kochen und Vorbereiten mit und dann fahren wir an zwei Plätze in der Stadt, machen Programm mit den Kids und verteilen Essen.

Wir sind noch nichteinmal aus dem Jeepney ausgestiegen, und man ist schon umringt von Kindern. Alle wollen gleichzeitig auf den Arm genommen werden, alle haben so ein riesiges Loch in ihrem Herzen, alle haben einen unfassbaren Hunger nach Liebe. Ich sehe Dinge, die ich niemals sehen wollte und höre Geschichten, die ich niemals hören wollte…

Rea* ist eine Freundin von mir, die früher bei CFA im Kinderheim gelebt hat und jetzt wieder an einem der Plätze wohnt, an den wir jede Woche gehen. Sie ist genauso alt wie ich und doch sind unsere Leben so unterschiedlich. Sie wuchs sozusagen auf der Straße hier auf den Philippinen auf, ich wuchs in einem großen Haus mit einem wunderschönen Garten in Deutschland auf. Ihre Eltern sind drogenabhängig, meine Eltern haben mir eine traumhafte Kindheit und eine gute Zukunft ermöglicht. Sie hat auf der Straße im Dreck und Staub gespielt. Ich hatte eine perfekte Kindheit mit mehr als ich mir jemals wünschen könnte. Sie ist schon zweifache Mutter. Ich bin gerade mit der Schule fertig. Sie kämpft jeden Tag damit, sich selbst und ihre Familie durchzubringen. Ich kann mir vergleichsweise alles leisten was ich will.

Das alles zu sehen ist schon krass und wirft tausende Fragen in meinem Kopf auf: Warum ist sie hier geboren und ich in Deutschland? Wie kann es sein, dass manche Menschen ALLES haben und andere NICHTS? Und was kann ich darin tun, was kann ich wirklich bewirken?

„It is only by amazing grace you were born where you were. To be amazing grace to someone else born somewhere else.” -Ann Voskamp-

*Name geändert

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CEBUANO LESSON

Da viele Kids auf den Feedings und auch die neuen Kids im Heim so gut wie kein Englisch können, ist es sehr hilfreich Cebuano zu lernen. Ich habe jeden Dienstag Cebuano-Unterricht, wobei wir sehr viel Grammatik lernen um die Sprache auch wirklich zu verstehen. Wörter bringen uns oft auch die Kids im Heim bei.

JUGENDGEFÄNGNIS

Fast jeden Donnerstag darf ich mit ins Jugendgefängnis. Christ for Asia hat dort eine Ministry und macht mit den Jugendlichen Biblestudies. Ich bin immer bei dem Programm für die Mädels dabei. Danach haben wir einfach Zeit, um mit den Mädels zu reden und zu beten. Es ist krass, wie offen sie sind und wie gerne sie Gebet in Anspruch nehmen.

Wenn ich in die Gesichter dieser Mädels schaue sehe ich unzählige Geschichten. Geschichten der Frustration, der Verzweiflung, der Ablehnung und Zerbrochenheit. Geschichten der Einsamkeit, der Resignation. Geschichten der Hoffnungslosigkeit. Geschichten von Scham, Versagen, zerbrochenen Familien, Vaterlosigkeit, Schwierigkeiten und Schicksalsschlägen. Wenn ich in ihre Gesichter schaue sehe ich unzählige Fragen über Gott, das Leben, der Sinn hinter all dem.

Und trotz allem sieht man, wie sie tief in ihrem Inneren noch ein kleines bisschen Hoffnung haben. Hoffnung, die hervorgeholt, ausgebuddelt und freigesetzt werden muss. Hoffnung, die sie in Jesus finden, weil ER sich etwas Besseres für ihr Leben gedacht hat.

URLAUB

Im Oktober durften wir als Interns (insgesamt 9 Leute) zusammen in den Urlaub fahren. Wir waren im Süden Cebu’s in Oslob und Moalboal. Es war sehr gut, einfach mal ein paar Tage rauszukommen, das Landleben zu genießen, stundenlang im Meer zu schwimmen und einfach Zeit zusammen zu verbringen. Ein Highlight war eine Canyoneering-Tour bei den bekannten Kawasan Wasserfällen.

Wir verstehen uns als Interns alle echt gut, was ein großer Segen ist. Oft unternehmen wir auch in unserer Freizeit was zusammen, gehen in die Stadt, Burger essen, einkaufen,…

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OUTING

Anfang des Monats sind wir für zwei Tage mit allen Kids weggefahren. Wir hatten verschiedene Lehreinheiten, Teambuilding-und Lobpreiszeiten und viel Zeit mit den Kids. Am Sonntag sind wir dann ans Meer gefahren und 19 Jungs und Mädels haben sich taufen lassen. Das war ein sehr besonderes Erlebnis zu sehen, wie diese Teens JA zu Jesus sagen und sich entscheiden, IHM für den Rest ihres Lebens nachzufolgen. Danach durften wir natürlich auch noch mit den Kids baden und einfach die Zeit am Strand genießen.

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Diese Jugendlichen haben sich taufen lassen 🙂

Solche Momente mitzuerleben ist einfach der Wahnsinn. Auch wenn es manchmal unfassbar hart sein kann hier, ist es ein riesen Privileg, diese Erfahrung zu machen und in das Leben dieser Kids zu investieren.

GEBETSANLIEGEN

  • Motivation, Kraft und Weisheit im Umgang mit den Kids, vor allem in schwierigen Situationen
  • dass ich noch tiefere Beziehungen zu den Kids und Jugendlichen aufbauen darf
  • dass ich mit all dem Leid, dem ich hier begegne besser klarkomme
  • dass ich herausfinde, was Gott mit meinem Leben vorhat

Danke für alle Gebete und Ermutigung. Ich freue mich immer von euch zu hören.

Liebe Grüße

Dorina

The journey starts…

Morgen ist es soweit. Ich werde für ca. 6 Monate auf die Philippinen gehen, genauer gesagt auf die Insel Cebu- ca. 10.000 km Luftlinie von hier.

Was ich dort mache?

Ich werde dort in Cebu City bei der Organisation „Christ for Asia“ mitarbeiten. Wie viele bereits wissen, war ich inzwischen schon 3 Mal dort. Jetzt ist es endlich soweit und ich darf eine längere Zeit dort verbringen. Dieses Land, diese Kultur, diese Menschen, diese Kinder haben mein Herz im Sturm erobert. Deshalb kann ich es jetzt auch kaum mehr erwarten endlich wieder dorthin zurückzugehen.

Auf der anderen Seite fällt es mir natürlich auch sehr schwer, hier in Deutschland Abschied zu nehmen- von meiner Familie, meinen Freunden, von den Menschen, die ich liebe.

In meinen Newslettern werde ich euch auf dem Laufenden halten, was bei mir so passiert.

Ich werde in einem Kinderheim für Straßenkinder mitarbeiten. Was genau meine Aufgaben sind erzähle ich euch dann wenn ich dort bin.

Die ersten 3 Wochen werde ich zuerst mit einem deutschen Team unterwegs sein. Wir werden verschiedene Einsätze in der Stadt, in Schulen, im Gefängnis und auf anderen Inseln haben. Wir haben verschiedene Tänze und Dramen vorbereitet und sind gespannt zu erleben, wie Gott uns gebrauchen wird.

Jetzt packe ich meinen Koffer mit großen Erwartungen, Träumen und einer tiefen Sehnsucht Gott in einer ganz neuen Weise zu erleben und IHN noch so viel besser kennenzulernen. Ich bin sehr gespannt, was Gott in dieser Zeit für mich bereithält. Ich erwarte Großes, denn ich glaube nur dann werde ich wirklich was erleben.

Ich freue mich über alle, die im Gebet hinter mir stehen. Es ist so wichtig zu wissen, dass Menschen für einen beten!

„Gebet ist nicht alles, aber ohne Gebet ist alles nichts.“

DANKE an alle, die in dieser Zeit für mich beten, an mich denken, mich unterstützen und ermutigen!

 

Liebe Grüße

Dorina